Zur Rolle einer resilienten Gesellschaft für den Zivilschutz in Deutschland
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 ist eine Zäsur in der Debatte um die Bedeutung einer resilienten Bevölkerung in Deutschland. Stand bis dato vor allem der Katastrophenschutz im Fokus der Überlegungen, nimmt die Bedeutung des Zivilschutzes in den Bevölkerungsschutzdiskursen immer mehr an Fahrt auf. Im Kern der Debatte steht dabei das Konzept der Resilienz. Auch wenn Deutschland hier als Nachzügler im Vergleich zu anderen Ländern zählt, verdeutlichen die im Jahr 2022 verabschiedete Nationale Resilienzstrategie sowie die im Jahr 2023 veröffentlichte erste deutsche Nationale Sicherheitsstrategie, dass Resilienz mittlerweile auch in Deutschland zum zentralen sicherheitspolitischen Leitmotiv geworden ist. Anders als in früheren Sicherheitsdiskursen steht nun nicht mehr die Mitigation von Bedrohungslagen, sondern vor allem die Erhöhung der Anpassungsfähigkeit an als unvermeidbar erkannte Sicherheitsbedrohungen im Zentrum. Doch was bedeutet dies für die Strukturen des Bevölkerungsschutzes und die Gesamtgesellschaft?
Dieser Fragestellung geht Marco Krüger in seinem Vortrag nach. Ausgehend von der aktuellen wissenschaftlichen Resilienzdebatte in den Sicherheitsstudien sowie der gegenwärtigen praktischen Umsetzung in Deutschland begibt sich der Vortrag in das Spannungsfeld des Resilienzdiskurses. Denn die Bedeutungszunahme von Resilienz ist kein unkritischer Prozess. Einerseits erscheint Resilienz als vielversprechende Antwort auf eine chronisch unbekannte und potenziell gefährliche Zukunft. Andererseits birgt das Resilienzkonzept die Gefahr, dass die Verantwortung für Sicherheitshandeln an Individuen und lokale Akteur:innen delegiert wird, statt deren Handlungsfähigkeit für den Ernstfall zu fördern. Der Vortrag diskutiert das Potenzial des Konzepts kritisch und entwickelt vor dem Hintergrund der aktuellen Resilienzpolitiken Leitlinien zur substanziellen Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz.
